Treffen Historischer Fechter Mitteldeutschland 2017

 

Am 22. und 23.07.2017 fand das Treffen Historischer Fechter Mitteldeutschland zum dritten Mal statt. Gleich zu Beginn eröffnete Paul den Teilnehmern, dass diese Veranstaltung zukünftig expandieren und zum Treffen Historischer Fechter Deutschland werden soll. Dies und einige weitere Änderungen wurde nicht von allen Fechtern begrüßt. Ich möchte die Gelegenheit nutzen meine Erlebnisse beim diesjährigen THFM zusammenzufassen.

 

Der erste Workshop am Samstag Vormittag: Der Stangenworkshop von Christian von "Solve et Coagula"

 

 

Das neue Banner der Veranstaltung - Stilvoll in den Nationalfarben gehalten. Auf dem Banner werden zukünftig die Logos der ausrichtenden Vereine angepinnt.

 

Der Samstag begann mit einer Rede von Paul, in welcher er auf den Werdegang der Veranstaltung einging und kommunizierte, in welche Richtung sich die Veranstaltung in seinen Augen weiterentwickeln könne und solle. Neben der Erweiterung des Einzugsgebietes auf die gesamte Bundesrepublik brachte er auch das Einladen von Fechtausrüstern wie "Neyman Fencing", "SPES" oder "PBT" ins Gespräch, welche im Rahmen der Veranstaltung so ihre Produkte direkt den Fechtern vorstellen könnten. Insgesamt wolle er zukünftig auch stärker auf die Qualität der Veranstaltung achten und einen Bewerbungsprozess, sowohl für die Trainer wie auch für den ausrichtenden Verein, implementieren. Im weiteren Verlauf der Veranstaltung zeigten sich viele der anwesenden Fechter nicht begeistert von diesen Vorschlägen. Meine Gedanken zu diesem Thema möchte ich hier zu einem späteren Zeitpunkt einfließen lassen.

 

Die ersten Workshops waren ein Seminar zum Bodenkampf mit Philipp und Sören von INDES Halle, sowie ein Stangenworkshop von Christian von "Solve et Coagula". Da ich hier in Chemnitz häufig die Möglichkeit habe Ringen und den Bodenkampf zu trainieren, ich mich jedoch mit der Stange bishher nur rudimentär beschäftigt habe, lag die Entscheidung auf der Hand - Ich nahm am Stangenworkshop teil.

 

Christian hatte hierfür ein Spiel vorbereitet, welches sich aus einer inneren Anbindung entwickelt. Ich empfand das Spiel als gut geeignet, um einen groben Überblick über die Dynamik und die Möglichkeiten der Stange zu bekommen. Neben Häuen, Stichen und den zugehörigen Versatzen war auch ein kurzes Stück Ringen mit dabei. Es ist doch immer wieder ein schönes Gefühl wenn man seine Stange an der Kehle des Trainingspartners geparkt hat und ihn nahezu mühelos über das eigene Bein stolpern lässt. Mit ein wenig Freiraum für Experimente garniert fand ich den Workshop insgesamt gelungen und die Teilnahme hat mir Spaß gemacht.

 

In der Zweiten Einheit gab es Montante. Obwohl der Workshop in der großen 3-Felder-Halle stattfand, war es nicht leicht sich mit der Kamera durch die Halle zu Bewegen ohne Gefahr zu laufen getroffen zu werden.

Mittagessen! Twerchhau hatte zur Versorgung der Teilnehmer Miniburger bestellt. Leider waren pro Nase nur drei Stück vorgesehen, was nicht ganz ausreichte um meinen Kalorienbedarf zu decken.

 

In der zweiten Einheit gab es Workshops zu Montante und zum Langen Schwert. Da war für mich nichts passendes mit dabei und so beschränkte ich mich auf das Fotografieren der anderen Teilnehmer und tauschte mich mit anderen aus, welchen es in diesem Moment ähnlich ging wie mir. Insgesamt verlief der Vormittag also entspannt, danach war Mittagspause.

Twerchhau hatte zur Versorgung der Teilnehmer Miniburger bestellt. Geschmacklich waren die gut! Leider waren pro Nase nur je drei Miniburger vorgesehen, was nicht ganz ausreichte um meinen Kalorienbedarf zu decken. Auch die Organisatoren schienen überrascht, hatten sie doch offenbar gedacht, dass die Portionen größer ausfielen.

 

Nach dem Mittagessen kamen wir in der großen Halle zusammen um uns über die Theorie des Zufechtens auszutauschen. Fragestellung an die Trainer war: Wie gestaltet ihr euer Zufechten und was bezweckt ihr damit. Später entwickelte sich das Gepräch weiter zu einem Grundlegenden Diskurs über Reichweiten verschiedener Waffen sowie die Verteilung der Rollen Vor- und Nach im Zufechten. Mir blieb hierzu vor allem im Gedächtnis, dass das Zufechten genutzt werden sollte, um auszuloten, welchen Gegnertypen ich fechte und wie seine Reaktionen auf bestimmte Situationen aussehen, um dieses Wissen im Nachhinein verwenden zu können. Interessant fand ich auch die Unterscheidung, dass der augenscheinliche Angreifer nicht immer im Vor sein muss. Der Begriff der hierzu fiel war "taktisches Vor". Ein Nachfechter, der bewusst eine Blöße präsentiert, um den Gegner zu reizen zu dieser zu arbeiten, wäre demnach taktisch der Vorfechter, da er bestimmt in welche Richtung sich das Gefecht entwickelt.

 

Im Nachgang dazu gab es die Auswahl zwischen Freikampf und einem Dolchseminar von Clemens und Ralf - "Dolch - die Zweite Hand". Dieses passte sehr gut zum Dolchseminar am darauffolgenden Tag. Insgesamt haben mir die beiden Seminare wirklich Spaß gemacht. Insbesondere das Stresstraining am zweiten Tag mit den Polsterdolchen empfand ich als sehr erhellend. Vorneweg waren sehr viele Techniken zur Abwehr von Oberstichen demonstriert und erläutert worden. Für meine Bedürfnisse waren das etwas viele auf einmal, sodass es sich für mich schwierig gestaltete eine Routine für die Techniken zu bekommen. Glücklicherweise kamen Clemens oder Ralf hin und wieder vorbei um zu helfen. Insgesamt war es jedoch ein schönes Erlebnis mal wieder etwas am Dolch zu machen, zumal ich mittlerweile nur selten dazu komme.

 

Zum Start in den Sonntag gabs ein Dussackseminar von Christian. Und wenn ich die Waffe davor bereits reizvoll fand, so bin ich nun danach ernsthaft am Überlegen auch hier in Chemnitz eine Gruppe zum Dussack zu öffnen. Bereits die Übung zum Anfang - ein einfacher Hutenlauf zum Hiebe gegeneinander treiben - brachte uns schon gut in Bewegung und angesichts der Schwüle in der Halle gut ins Schwitzen. Die Bewegungen ließen sich gut mit den mir bereits bekannten aus Joachim Meyer verschmelzen und so kam ich sehr gut zurecht. Dennoch war der Versatz gegen den Unterhau aus der Schrankhut mit einigem biomechanischem Experimentieren verbunden um einen echten Versatz hinzubekommen. Daher denke ich, dass eine etwas feinere Untergliederung der Technikketten und ein detaillierteres Eingehen auf die stattfindenden Bewegungen bei folgenden Workshops hilfreich sein könnten. Gut gefallen hat mir übrigens auch, dass Christian uns Raum gab, für uns unsere eigene Hutenform zu entwerfen und damit zu experimentieren. Wie bereits eingangs gesagt: Das Seminar hat mich auf die Waffe Dussack ziemlich angefixt.

 

Insgesamt ziehe ich eine positive Bilanz des THFM 2017. Ich hatte Gelegenheit mal wieder mit Mitgliedern anderer Vereine zu trainieren und konnte mich über verschiedene Themen austauschen. Was ist nun aber mit den bereits angesprochenen Änderungen für die Zukunft? Ich will versuchen meine Gedanken hierzu kurz zusammen zu fassen.

 

Die Änderungspläne wurden ja bereits während des Treffens kontrovers diskutiert. Ich möchte an dieser Stelle die Debatte nicht wieder aufwärmen, sondern vielmehr meine Gedanken und Empfindungen einem größeren Publikum zugänglich machen und vielleicht dazu beitragen, dass alles ein wenig gelassener empfunden wird. Den Start der Diskussion markiert für mich das Entrollen des Banners. Ich finde die Idee zu dem Banner und die Umsetzung schön, insbesondere das Anheften der Vereinslogos schafft in meinen Augen einen Gegenstand der sich mit jeden Treffen weiterentwickelt und uns an die vergangenen Treffen erinnert. Grund zum Anstoß geben für viele die Nationalfarben, mit welchen das Banner eingerahmt ist. Mir ging in dem Moment der Enthüllung durch den Kopf: "Sieht eigentlich ganz nett aus, aber da wird es Gesprächsbedarf geben!" Ich persönlich stehe dazu also neutral kann aber nachvollziehen wieso einige daran Anstoß nehmen. Ich denke jedoch das der Hauptgrund für den Unmut in einem anderen nicht unmittelbar sichbaren Bereich liegt, der sich am Banner manifestiert.

 

Worauf möchte ich hinaus? Alle Teilnehmer standen vor vollendeten Tatsachen. Für mich war es die erste Teilnahme am THFM. Ich ging daher nicht davon aus ein Mitspracherecht zu haben. Das sehe ich auch als einen der Gründe, warum es mir möglich ist, alles sehr gelassen zu sehen. Ginge ich aber von der Prämisse aus, dass meine Ansichten und Vorschläge gehört werden, fühlte ich mich an dieser Stelle schlichtweg übergangen. Das ist auch das Grundgefühl, welches ich in den meisten Gesprächen mit anderen Fechtern wahrnehmen konnte. Ich denke jedoch, dass egal wie die Abstimmungsmodalitäten gestaltet sind, jeder Teilnehmer zwei Stimmen einbringen kann. Die erste haben viele direkt auf dem Treffen verwendet und Paul hatte sich daraufhin nochmals mit den Trainern aller Vereine getroffen. Über die zweite Stimme möchte ich an dieser Stelle nicht weiter referieren. Nur so viel - ihr kommt selbst darauf, wenn es so weit ist.

Insgesamt glaube ich nämlich, dass die Absichten welche Paul mit den Änderungen verfolgt durchaus zu einer Verbesserung des THFD führen können. Natürlich stellt sich die Frage wie die Umsetzung letzendlich aussieht und wie stringent die Änderungen umgesetzt werden. Vieles davon ist mit deutlich mehr Verwaltungsaufwand als bishher verbunden aber wenn Paul bereit ist diesen auf sich zu nehmen um das THFD zu verbessern, warum sollte es mich stören?

 

Nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird! Daher warte ich erstmal darauf, wie sich das Treffen entwickelt. Ich hatte dieses Jahr Spaß und bedanke mich bei Paul  und den Twerchhauern für eine gelungene Organisation und allen Trainern und Fechtern für eine angenehme Atmosphäre und interessanten Austausch.

 

von Patrick Schlapp

August 2017

Viele Teilnehmer haben mich gefragt, ob ich die Bilder, welche ich gemacht habe zur Verfügung stellen würde. In meiner Antwort verwieß ich immer auf ein Googledrive, in welchem ich die Bilder hochladen würde. Und bitteschön hier ist der Link. Ihr könnt die Bilder frei verwenden und auch auf euren eigenen Seiten und Profilen hochladen, solange ihr darauf verweißt von wem sie stammen. Viel Spaß!

Kommentare

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  • Christian Stickel (Dienstag, 08. August 2017 16:33)

    Heya Patrick,
    Danke für dein schönen Artikel zum Treffen und Dein Feedback zu meinen Workshops.
    Ich werde mir deine Worte zu Herzen nehmen und den Dussack Workshop nochmal überarbeiten.

    LG, Christian

  • Joachim Decker (Dienstag, 08. August 2017 07:07)

    Hallo Patrick,
    dem Dank möchte ich mich anschließen. Du hast die richtigen Worte gefunden, um auch meine Gedanken zu dem Treffen zu beschreiben.
    Danke auch für die vielen Fotos und ich freue mich auf ein Wiedersehen!
    Herzliche Grüße aus Berlin,
    Joachim

  • Clemens (Samstag, 05. August 2017 22:35)

    Hallo Patrick,
    Ein rundum guter Bericht, danke. Deine Sichtweise bezüglich der angekündigten Veränderungen teile ich mit Dir. Und das Essen am Samstag war definitiv zu wenig. Tut mir Leid. Wie Duch schon geschrieben hast, wir waren selbst überrascht.

    LG, Clemens

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